Der Basset Hound ist der Hund, den alle erkennen und niemand unterschätzt, der aber trotzdem regelmäßig falsch eingeschätzt wird. Auf dem Papier ist er ein kleiner Jagdhund mit ungewöhnlich langen Ohren. In der Praxis ist er ein 25-Kilo-Paket aus Nase, Eigensinn und einer Nüchternheit, die manchen Halter an den Rand der Verzweiflung bringt. Ich habe zwei Jahre lang einen Basset-Rüden namens Bruno in einer Mietwohnung im dritten Stock gelebt – mit allen Konsequenzen: drei Stockwerke Treppe bei jedem Spaziergang, ein Hund, der nach jedem zweiten Regenschauer wie ein nasser Waschlappen riecht, und ein Tierarzt, der mich irgendwann mit Vornamen begrüßte.
Wenn Sie überlegen, ob der Basset Hound zu Ihnen passt, reicht kein Charakterprofil. Sie brauchen Zahlen – zu Anschaffung, Gesundheit und Alltag. Genau die fehlen in den meisten Ratgebern. Hier kommen sie.
Wichtige Erkenntnisse
- Die FCI klassifiziert den Basset als kleinen Laufhund (Gruppe 6, Sektion 1.3) mit einer Widerristhöhe von 33 bis 38 cm – das Gewicht liegt oft deutlich darüber, was die Rasse unterschätzt macht.
- Für absolute Anfänger ist der Basset nur bedingt geeignet: sein Eigenwille verlangt konsequente, ruhige Führung.
- Kostenrahmen in Deutschland: 1.200 bis 2.500 Euro für einen Welpen vom VDH-Züchter, je nach Linie und Wurf.
- Ohrenentzündungen und Augenerkrankungen sind bei der Rasse überdurchschnittlich häufig – planen Sie Tierarztkosten ein.
- Der Basset wurde für die Langsamjagd auf Hasen und Kaninchen gezüchtet, nicht als Schoßhund.
Basset Hound: charmant, aber kein Anfängerhund im klassischen Sinn
„Der ist doch so ruhig, der schläft doch nur“ – diesen Satz höre ich jedes Mal, wenn ich erzähle, dass Bruno kein Labrador ist. Und ja, ein Basset döst am Nachmittag gern vier Stunden weg. Die Realität dahinter ist aber eine andere: Diese Ruhe ist kein Zeichen von Anpassungsfähigkeit, sondern von Dickköpfigkeit. Ein Basset, der nicht will, bewegt sich nicht. Nicht langsam. Nicht unwillig. Gar nicht.
Das ist der zentrale Punkt, den die Frage „Ist der Basset Hound ein Anfängerhund?“ verfehlt. Er ist nicht gefährlich, nicht aggressiv, nicht überdreht. Aber er ist auch nicht der Hund, der Ihnen gefallen will. Er kooperiert, wenn es sich für ihn lohnt – und das ist ein anderer Modus als bei einem Border Collie.
Ist der Basset Hound ein Anfängerhund?
Nur mit Einschränkung. Wer noch nie einen Hund geführt hat, sollte beim Basset drei Dinge mitbringen: Geduld, eine klare innere Haltung und die Bereitschaft, sich nicht überreden zu lassen. Ein Basset testet Grenzen nicht laut, sondern still. Er legt sich einfach hin und schaut Sie an, und dieses Schauen hat etwas von einem Buchhalter, der eine falsche Rechnung prüft.
Mein Fehler am Anfang: Ich habe Bruno gelobt, wenn er nach zehn Sekunden „Komm“ endlich ankam. Falsch. Er hat daraus gelernt, dass zehn Sekunden Warten eine Belohnung bringen können. Erst als ich angefangen habe, nur die schnelle Reaktion zu belohnen und bei zu langsamem Kommen kommentarlos weiterzugehen, wurde es besser – deutlich besser, aber nicht perfekt. Rechnen Sie mit Monaten, nicht Wochen.
Wer einen Hund zum Sport, zum Agility oder für lange Radtouren sucht, sollte diese Rasse streichen. Wer einen ruhigen Begleiter für Stadt, Büro und kurze Runden sucht und sich auf das eigenwillige Wesen einlässt: durchaus machbar. Für Familien mit kleinen Kindern ist der Basset übrigens oft eine gute Wahl – er ist geduldig, nicht schreckhaft und bellt selten grundlos.
Für was wurde der Basset gezüchtet?
Der Basset ist ein Laufhund für die Niederwildjagd. Konkret: Er wurde gezüchtet, um Hasen und Kaninchen in dichtem Unterholz aufzuspüren und in langsamem Tempo zu verfolgen – so langsam, dass der Jäger zu Fuß folgen konnte. Die kurzen Beine sind kein Zufall und keine Laune der Natur, sondern eine Arbeitsanpassung: Sie halten die Nase tief am Boden, wo die Fährte liegt.
Die langen Ohren haben ebenfalls eine Funktion. Sie wehen beim Traben nach vorn und wirken wie eine Art Trichter, der Geruchspartikel in Richtung Nase bewegt. Ob das den Effekt hat, den Züchter historisch behaupteten, ist umstritten – aber die Form ist eindeutig auf die Fährtenarbeit hin selektiert. Der lange Rücken und die lockere Haut geben dem Hund Beweglichkeit im Unterholz, ohne dass er hängenbleibt.
Warum man ihn heute kaum noch jagdlich führt
Weil das Tempo der Niederwildjagd sich verändert hat und weil viele Jagdverbände heute auf andere Rassen setzen. Der Basset blieb als Familienhund übrig – und das erklärt einen Teil der gesundheitlichen Probleme, mit denen die Rasse heute zu kämpfen hat. Ein Körper, der für stundenlange Arbeit im Unterholz gebaut wurde, wird gehalten wie ein Sofahund. Der Rest ist Statistik.
Was das für Sie bedeutet: Spaziergänge von dreißig Minuten reichen einem ausgewachsenen Basset nicht. Er braucht Nasenarbeit. Ein Futterbeutel, den er suchen darf, ist mehr Wert als jede halbe Stunde an der Leine. Kopfarbeit statt Distanz – das ist die Formel.
Wie viel kostet ein Basset Hound?
Rechnen Sie für einen Welpen aus einer VDH-Zucht zwischen 1.200 und 2.500 Euro. Der Preis schwankt je nach Linie, Wurfgröße und Region. Ein Basset-Wurf umfasst typischerweise sechs bis zehn Welpen – bei kleinen Würfen steigt der Einzelpreis, weil die Aufzuchtkosten gleich bleiben.
Was die Anschaffung verschweigt: die laufenden Kosten. Aus meiner eigenen Erfahrung über zwei Jahre mit Bruno:
| Posten | Monatlicher Richtwert | Anmerkung |
|---|---|---|
| Futter | 50–80 € | Neigt zu Übergewicht, Portionen wiegen |
| Tierarzt (Routine) | 15–25 € | Impfungen, Wurmkur, Check-up |
| Versicherung (OP-Schutz) | 25–45 € | Bei Rassedispositionen sinnvoll |
| Zubehör, Pflege, Hundeschule | 20–40 € | Geschirr, Ohrenreiniger, Training |
| Summe | 110–190 € | Ohne akute Behandlungen |
Ein Punkt, den ich unterschätzt habe: die Ohrenpflege. Brunos Ohren mussten im Schnitt alle zwei Wochen gereinigt werden, bei Feuchtigkeit auch öfter. Wer das nicht macht, zahlt später beim Tierarzt drauf. Ich habe einmal 180 Euro für eine Ohrenbehandlung bezahlt, weil ich vier Wochen lang geschludert habe. Nicht stolz drauf.
Worauf Sie beim Welpenkauf achten sollten
Der Basset ist eine Rasse mit dokumentierten Zuchtproblemen – Stichwort Qualzucht. Zu den bekannten Dispositionen gehören:
- Entzündungen der Ohren (häufig, oft chronisch)
- Vorfall der Nickhautdrüse, also des „Kirschauges“
- Dysplasie der Hüfte und Ellenbogen
- Rückenprobleme wegen des langen Rumpfes
- Neigung zu Übergewicht, die bei falscher Fütterung schnell zu Gelenkbelastung führt
Fragen Sie den Züchter konkret nach Untersuchungsergebnissen der Elterntiere auf Hüftdysplasie und nach Augenbefunden. Ein seriöser VDH-Züchter zeigt diese Unterlagen ohne Aufforderung. Wer abwinkt oder mit „das haben wir nicht so genau“ antwortet, ist kein guter Ansprechpartner. Und: Kaufen Sie keinen Basset vom Vermehrer oder aus dem Ausland ohne Papiere. Die gesundheitlichen Folgekosten übersteigen die Ersparnis beim Kaufpreis um ein Vielfaches.
Was sagt Martin Rütter über den Basset Hound?
Martin Rütter hat den Basset nie als eigene Rassen-Analyse behandelt – jedenfalls ist mir keine öffentliche Folge oder ein Kapitel bekannt, in dem er speziell über den Basset spricht. Wer eine konkrete Aussage von ihm zu dieser Rasse sucht, wird nicht fündig.
Was sich aber aus seiner öffentlichen Haltung ableiten lässt: Rütter betont in seinen Vorträgen und Sendungen immer wieder, dass Hunderasse und Haltertyp zusammenpassen müssen. Wer einen eigenständigen Hund mit Jagdtrieb zu sich holt, muss dessen Bedürfnisse erfüllen – sonst entsteht Frust auf beiden Seiten. Genau das ist beim Basset der Punkt. Er ist nicht stur, um Sie zu ärgern. Er ist es, weil er über Generationen darauf gezüchtet wurde, eigenständig zu entscheiden, wann eine Fährte zu Ende ist.
Was Sie daraus für die Haltung mitnehmen
Der Basset braucht keine Hundeschule, die auf Tempo setzt. Er braucht eine Hundeschule, die Geduld mitbringt. Ich war in Brunos erster Klasse der langsamste Hund – und das hat gut gepasst. Der Trainer hat uns nach drei Wochen gesagt, wir sollen aufhören, mit anderen zu vergleichen. Das war der beste Ratschlag, den ich für diese Rasse bekommen habe.
Gehorsam ist beim Basset kein Zustand, sondern eine Verhandlung. Diese Haltung macht den Hund für manche Halter unerträglich und für andere unwiderstehlich. Ich gehöre zur zweiten Gruppe – aber ich verstehe die erste.
Gesundheit und Lebenserwartung im realistischen Rahmen
Die Lebenserwartung des Basset Hound liegt häufig bei zehn bis zwölf Jahren. Manche Tiere werden älter, wenn sie schlank gehalten werden und die Ohrenpflege stimmt. Die Rasse wird oft als „kurzlebig“ bezeichnet – das ist übertrieben, aber Übergewicht und chronische Ohrenentzündungen verkürzen die gesunde Lebensphase erheblich.
Was wirklich hilft: Portionen wiegen statt nach Gefühl füttern. Brunos Tierarzt hat mir irgendwann eine simple Faustregel gegeben – Sie sollten die letzte Rippe fühlen, ohne drücken zu müssen. Bei einem Basset, der zu dick ist, spüren Sie sie nicht, und weil der Hund von Natur aus kompakt wirkt, fällt die Grenze vielen Haltern schwer.
Häufige Fragen von Interessenten
Wie groß wird ein Basset Hound? Die Widerristhöhe liegt bei 33 bis 38 cm, das Gewicht typischerweise bei 20 bis 30 kg – die Rasse wirkt also schwerer, als die Schulterhöhe vermuten lässt.
Wie viel Auslauf braucht er? Weniger Distanz, mehr Nasenarbeit. Zwei bis drei kürzere Runden am Tag und eine Suchaufgabe sind sinnvoller als eine lange Wanderung, bei der der Hund nur nebenherläuft.
Verträgt er sich mit anderen Hunden? In der Regel gut – der Basset ist gruppenverträglich und wenig territorial. Konflikte entstehen eher beim Futter als bei der Rangordnung.
Ein Hund, den man nicht nebenbei hält
Der Basset ist eine Rasse für Menschen, die einen ruhigen Hund wollen und bereit sind, dafür Geduld zu investieren. Er ist kein Anfängerhund im Sinne von „kann jeder sofort“, aber er ist auch kein Spezialfall, den nur Experten halten können. Was er nicht verzeiht: Unentschlossenheit. Ein Basset merkt nach drei Wochen, wer am anderen Ende der Leine wirklich entscheidet.
Und wenn Sie sich jetzt fragen, ob Sie zu den Menschen gehören, die mit einem Hund leben können, der Sie jeden Tag aufs Neue prüft – dann ist die Antwort vielleicht ja. Bruno jedenfalls schaut mich gerade an, als hätte er meine Zweifel gehört. Er hat sie gehört. Er hat sie sich gemerkt. Und er wird sie später am Nachmittag nutzen, wenn es um den Inhalt seines Futternapfs geht.